Zuhause – Textauszug
Matilda sagte: “Ich habe mit Svend Schluss gemacht.”
“Was soll denn das?”
“Woher soll ich wissen, was das soll?”
“Als wir vor drei Wochen telefoniert haben, hast du noch gesagt, es sei schön.”
“Na und?”
“Ihr wolltet euch ein Landhaus kaufen, in Småland.”
“Ja. Mit Kamin. Pff.”
Ich sah sie an, sie sah hinaus, in die gleiche Richtung wie der Taxifahrer. Dann kurbelte Matilda das Fenster herunter, so weit die verbeulte Fahrertür es zuließ. Kaffeeschlürfende, Asche in den Sturm schnippende Verachtung. Mehr hatte sie nicht übrig für den hehren, vollkommenen, von mir handgecasteten Svend. Einen Moment lang überlegte ich, ob Matilda eine glücksunfähige Diva sei, der man es nie Recht machen könne.
Doch dieser Gedanke tat mir weh, woraufhin ich mich noch mehr ärgerte, denn es war ihre Schuld, dass ich nun schlecht über sie dachte.
“Es war eben einfach nur schön. Genau wie er. Er war so schön und intelligent …”
“… und sympathisch”, sagte ich.
“Das auch noch! Und dauernd dieses Segeln.”
“Segeln ist doch … schön.”
“Pff!”
“Du hast dir immer jemanden gewünscht, der segeln kann.”
“Das ist es ja gerade. Er kann segeln, hat Stil und ist trotzdem kein Snob. Er hat Geld und ist trotzdem nett; aus guter Familie, aber kein Spießer; lieb und trotzdem cool; kann immer trinken, muss aber nicht. Er ist alles, was ich mir immer gewünscht habe. Alles gleichzeitig!”
Ich schwieg. Der arme hehre, ganz und gar vollkommene Svend.
“Und daneben dann ich!”, fuhr Matilda fort. “Wie ein beflecktes Detail, das man vergessen hat, aus der sauberen schönen Prince-Denmark-Werbung rauszuschneiden.”
“Du hast mit ihm Schluss gemacht, weil du nicht in eine Prince-Denmark-Werbung passt?”
“Ich habe Schluss gemacht, weil er reinpasst.”
“Das kannst du doch nicht ernst meinen.”
Ich wusste, dass sie das sehr ernst meinte.
“Svend ist noch nicht einmal Däne”, sagte ich dann.
“Schwede. Noch schlimmer. Bei denen ist alles immer so … perfekt.”
“Er war ja auch perfekt für dich.”
“Er war nicht perfekt für mich, er war einfach nur perfekt. Das ist ein Unterschied. Ich habe mich neben ihm nicht ausgehalten. Eine merkwürdige Frau mit einem merkwürdigen Job in einer merkwürdigen Daunenjacke aus einem merkwürdigen Land. Ich hatte das Gefühl, er wollte sein Leben durch mich ironisch brechen, weil sonst alles zu perfekt gewesen wäre.”
“Was ist daran schlimm, wenn etwas mal perfekt ist? Du wehrst dich so sehr dagegen, das ist ja… neurotisch.”
“Wenn du nicht so scheiß-glücklich wärest, könntest du gar nicht so reden.”
“So ein Quatsch.”